
Das Pumpwerk Kandia regelt den Wasserpegel im Einzugsgebiet Oude Rijn (Altrhein) ungefähr ab Groessen (NL) bis Emmerich (D), ein Polder von 10.000 Hektar auf niederländischem (ca. 6.000 ha) und deutschem Grundgebiet (ca. 4.000 ha). Die Waterschap Rijn en IJssel und der Deichverband Bislich-Landesgrenze verlassen sich seit 1968 auf die Pumpen der Pumpwerk Kandia. Nach vierzig Jahren treuer Dienste wurde das Pumpwerk Kandia im Zeitraum 2010 - 2011 saniert. Die Dieselmotoren wurden gegen Elektromotoren ausgetauscht und alle elektrische Anlagen wurden erneuert. Seither erfolgt die Regulierung des Wasserpegels automatisch. Außerdem wurde ein Wachposten zur Überwachung der Deiche bei Hochwasser eingerichtet.
Funktionsweise | Wirtschaft und Sicherheit| Zusammenarbeit| Altrhein
Das Pumpwerk Kandia hat zwei Funktionen: Es pumpt Wasser aus dem Gebiet Rijnstrangen, wenn der Wasserpegel zu hoch wird und es hält das Wasser fest, wenn der Wasserpegel zu niedrig wird. Das Pumpwerk pumpt mit zwei großen Pumpen Wasser zum Pannerdens Kanal. Diese Pumpen können innerhalb von einer Minute ein Schwimmbad von 25 m Länge leer pumpen. Die Pumpen arbeiten durchschnittlich zweihundert Stunden pro Jahr und werden dabei automatisch durch umweltfreundliche Elektromotoren angetrieben. Die Motoren wiegen jeweils 15.000 kg und sind so groß, dass sie durch das Dach des Pumpengebäudes herabgelassen werden mussten. Eine automatische Stauklappe sorgt dafür,dass der Wasserpegel im Gebiet nicht zu niedrig wird.
Pumpwerk Kandia
Das Pumpwerk Kandia ist Teil eines Deichs, der uns gegen das Wasser im Altrhein schützt. Es handelt sich hierbei um das größte Pumpwerk im in den Verwaltungsgebieten von Waterschap Rijn en IJssel (NL) und Deichverband Bislich-Landesgrenze (D). Deshalb verfügt die Pumpstation außer den üblichen Pendelklappen über einige zusätzliche Klappen, die die Sicherheit garantieren sollen. Die technischen Zeichnungen der Pumpstation stehen für Liebhaber rechts auf dieser Seite zum Download bereit. Auch für die Wirtschaft hat die Pumpstation Kandia eine wichtige Funktion. Sie sorgt dafür, dass der Wasserpegel im Gebiet innerhalb der vereinbarten Grenzen bleibt. So können die Böden ungehindert für die Landwirtschaft genutzt werden.
Ohne eine gute Wasserwirtschaft sind Polder unbewohnbar. Dank der Deiche, Terpen, der Einpolderung und der unzähligen Schleusen, Wehre und Pumpswerken können hier Menschen wohnen. Die Waterschap Rijn en IJssel reguliert den Wasserpegel in Gräben und Bächen, reinigt Ihr Abwasser, pflegt die Deiche und Wasserläufe, verwaltet die Schifffahrtswege, schützt das Grund- und Oberflächenwasser und sorgt dafür, dass wir diese Landschaft gefahrlos genießen können. Auch in Deutschland sorgt der Deichverband Bislich-Landesgrenze für eine ausgewogene Wasserwirtschaft im Grenzgebiet. Diese ist auch hier lebenswichtig und Wasser kennt schließlich keine Grenzen. Dabei spielt die gute und jahrelange Zusammenarbeit zwischen Waterschap Rijn en IJssel und Deichverband Bislich-Landesgrenze eine ausschlaggebende Rolle.
Deutschland und die Niederlande hatten sich daher an den Kosten für die Renovierung beteiligt, so wie es sich auch 1968 bereits am Bau der Pumpwerk beteiligt hat. Von den gesamten Sanierungskosten in Höhe von 4 Mio. Euro hat der Deichverband Bislich Landesgrenze (ehemals Wasserverband Netterdenscher Kanal), 39% übernommen. Die niederländische Provinz Gelderland und die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hatten auch einen Beitrag geleistet.
Die Leute der Deichverband
In den vergangenen Jahrhunderten wurde die starke Flussdynamik im Einzugsgebiet des Altrheins von Menschenhand stets weiter eingedämmt. Bis zum Bau des Pannerden-Kanals (1704 - 1707) und des Bijlandskanal schlängelte sich hier ein breiter Fluss mit Sand- und Kiesbänken, der Rhein. Durch den Bau der Kanäle schrumpfte der heutige Altrhein zu einem nicht mehr schiffbaren Flussarm zusammen.
Nach dem Schließen des Spijker Overlaat, dem Abschluss des Altrheins und dem Bau der Pumpwerk Kandia ist die starke Flussdynamik aus dem Gebiet verschwunden. Dadurch konnte sich entlang der Ufer des Altrheins Schilfrohr ansiedeln, wie unschwer zu erkennen ist, wenn Sie über den Altrhein blicken.